Schon immer war es ein Traum, einmal in das Land der Elfen und Trolle zu reisen, in das magische Island.
Ein 50. Geburtstag (mit dem Wunsch, auf Island mit einem Isländerpferd zu reiten) und die Tatsache, dass die Kinder auf Ammeland waren, ließ es möglich werden.
Mit Michelle und Marco und Jutta und Thomas waren wir also zu 6. Das bedeutete zunächst, dass ein normales Auto nicht ausreicht. Wir haben also 2 Allrad-Fahrzeuge Dacia Duster angemietet. Dass wir vor Ort 2 gleiche Mazda cx-5 bekommen haben, hat uns nicht trauern lassen.
Am 30.06.2019 ging es also los... Bei glühender Hitze sind wir gestartet und nach Frankfurt an den Flughafen gefahren. Unser Orga-Team Michelle und Marco hat ganze Arbeit geleistet und nicht nur die Anreise, sondern auch die Unterkünfte und alles andere perfekt organisiert. Vielen Dank nochmal!
Die meisten von uns sind erfahrene Flieger und haben kein Problem damit, nur Sylvia hatte richtige Flugangst. Aber der Wunsch, Island zu sehen, war größer. Also ein paar Valiums rein und die Panik ließ sich aushalten. Ankunft nach 3:45 Stunden ruhigen Fluges in Keflavik.
Wichtige Versorgungsprobleme galt es schon am Flughafen zu lösen. Alkoholische Getränke werden auf Island nur in staatlichen Abgabestellen, den sogenannten Vínbúðin, verkauft. Deshalb haben wir bereits am Flughafen ein paar Getränke gekauft. Als favorisiertes Bier hat sich schnell Gull (etwa "Gük-ch" gesprochen) herauskristallisiert:
Gull - auf Island das Bier unserer Wahl
Gegen 20:45 Uhr haben wir unsere Autos entgegen genommen. Hier gab es die wichtigsten Tipps als Aufkleber auf dem Armaturenbrett:

So geht Autofahren auf Island
Danach sind wir noch ca. 45 Minuten bis zu unserer ersten Unterkunft in Reykjavik gefahren. Eine schöne Wohnung mit Balkon auf Straßenhöhe nahe der Innenstadt. Zur Abrundung dieses schönen Tages haben wir uns noch einen Spaziergang am Strand und eine kleine Mahlzeit gegönnt.
Schon am ersten Abend durften wir erfahren, dass es in Island nachts nicht dunkel wird. Es dämmert zwar ein wenig, aber dunkler wird es nicht:

Nacht im Sommer auf Island
Das ist zwar erstmal ungewohnt, schnell dominiert aber die Freude am nächtlichen Tageslicht.
Der nächste Tag startete mit einem ausgiebigen Frühstück.

Frühstück in Reykjavik
Danach haben wir dann einen ausgiebigen Stadtbummel durch Reykjavik gemacht.
Hier gab es viel zu sehen, unter anderem die Hallgrímskirkja mit der berühmten Leif(ur) Erikson Statue davor besucht:

Hallgrimskirkja mit der Leif(ur) Erikson Statue
Leider haben sich schon am Anfang der Reise bei einem Mitreisenden Zahnschmerzen eingestellt, die nur durch zunehmenden Ibuprofenkonsum beherrscht werden konnten. Der Freude an dem wundervollen Island hat das jedoch keinen Abbruch getan.
Am Tag 3 sind wir weitergefahren und zunächst dem "Golden Circle" gefolgt mit den wichtigen, nahe Reykjavik gelegenen Sehenswürdigkeiten Strokkur-Geysir, Þingvellir (auch Thingveelir genannt) und Gullfoss.

Der beeindruckende Gullfoss (Goldfoss)
Hier war die Dichte an Besuchern aus China noch außerordenltich hoch, als wir den Golden Circle Richtung Osten verlassen haben, waren es schlagartig weniger Ferntouristen.
Die weitere Fahrt hat zu einem Wasserfall geführt, hinter dem man durchlaufen kann, der Seljalandsfoss:

Seljandsfoss
Mittags sind wir auf der Ringstraße südlich am berühmten Eyjafjallajökull vorbeigefahren, später auch am viel größeren und derzeit aktiverem Vatnajökull.
Abends sind wir dann nach ca. 185km in Vík í Mýrdal, kurz Vik, am Black Beach Resort angekommen, eine sehr schön gelegene Anlage und ein toller Platz, um in den runden Geburtstag hineinzufeiern:

Innen noch schöner als außen, und herrlich gelegen
Gratulieren konnten wir um Mitternacht natürlich noch fast bei Tageslicht!
Schon früh auf unserer Reise haben uns Polarlichter begleitet. Da es aufgrund der Jahreszeit an natürlichen Erscheinungen etwas mangelete, hat Michelle mit einer App etwas nachgeholfen. Der große Vorteil: Polarlichter lassen sich so auf jedem beliebigen Bild bestaunen!

Polarlichter wo immer man es sich wünscht, dank Polarlicht-App
Dieser Tag stand ganz im Zeichen des Geburtstagskindes. Die Insignien waren unübersehbar: Von der Girlande im Auto über die Einhornkarte bis zur Erfüllung aller Spontanwünsche wurde dem Jubiliar gehuldigt.
Unterwergs haben wir den Skaftafell-Nationalpark, genauer den Öraefajökull im Vatnajökull mit Moräne besucht. Hier haben wir eine der ersten Elfen entdeckt:
Kleine Erdelfe
Danach sind wir an dem See Jökulsárlón vorbeigekommen. Hier lösen sich Eisberge von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull ab. Wir Glaziologen nennen das "kalben". Die Bruchstücke brauchen dann noch jahrelang, bis sie über den See in das Meer getrieben sind.

Kalbender Gletscher
Den Strand of Diamonds auf der anderen Seite der Straße haben wir ohne besondere Absicht ausgelassen.
Wir sind an diesem Tag ca. 270km bis nach Höfn (Höpp gesprochen) gefahren und dort auf dem Hof Dynjandi von Inga gelandet. Der Empfang war besonders herzlich, unter Anderem standen, damit wir den Geburtstag noch feiern können, 6 Bierdosen im Kühlschrank... auf Island ein kleines Vermögen.
Auf dem kleinen Hof hatten wir alle Zimmer angemietet. Inga hat sich viel Zeit genommen und alle Fragen geduldig und kompetent beantwortet. Da sie ursprünglich aus Hamburg kommt, war die Verständigung kein Problem. Das Isländisch hat jedoch bereits deutliche Spuren in ihrer Sprachmelodie hinterlassen. Sehr schön anzuhören. Natürlich wurden von den pferdebegeisterten Mitreisenden der gesamte Hof und vor Allem die Islandpferde genau in Augenschein genommen.
Abends waren wir in Höfn essen, dort gab es sehr leckere Burger:

Burger in Höfn
Morgens gab es ein reichhaltiges Frühstück, mit kleinen Kuchen, die in Island zu einem Frühstück dazugehören.
Am nächsten Tag ging es weiter auf der Ringstraße Richtung Osten und Norden. Die eindringliche Warnung, nicht die alte Straße zu fahren, haben wir aufgrund eines Mehrheitsentscheides gegen ein Mindervotum beherzigt.
Rund 50km weiter auf der Ringstraße Richtung Osten erhielten wir einen Anruf von Inga: Das Flugmaskottchen, ein Stofftier von großer Wichtigkeit, hatte sich beim Aufräumen versteckt und lag jetzt noch auf dem Dynjandi-Hof. Also zurück und die tolle Landschaft noch mal hin und zurück genießen... das gemeinsame Treffen etwas weiter auf der Route hat dann aber ohne Probleme geklappt.
Heute sind wir weit, ca. 280km, gefahren, bis in den Osten Islands nach Seyðisfjörður. Die Landschaft hier ist weitaus weniger abwechslungsreich. Es gibt große Flächen mit Gestein, Lava und spärlicher Vegetation. Für sich immer interessant, aber über den ganzen Tag zuviel davon, so dass wir froh waren, als wir in Seyðisfjörður angekommen sind.
Dort hatten wir ein wunderschönes Häuschen, mit Whirlpool, den wir auch genutzt haben, bis Schwimmhäute sichbar wurden.

Unser Haus in Seyðisfjörður
Marco hatte gelesen, dass es in der Nähe von Egilsstaðir einen besonderen Getränkeautomat gibt: Eine Hütte in der Landschaft, in der Getränke stehen. Die nimmt man heraus, läßt den angeschlagenen Preis da und geht. Das ganze würde von einem ehemals Obdachlosen betrieben. Über mehrere Tage wurden Ansätze gemacht, diesen Getränkeautomat anzusteuern. Als er sich in der Nacht davonschleichen wollte, um den Automat aufzusuchen, haben leider die Zahnschmerzen den Plan vereitelt...
Zum Dettifoss führen 2 Wege, eine lange Schotterstraße östlich und eine kürzere, besser ausgebaute westlich. Wir haben natürlich die östliche, längere genommen und sind 20km über einen Schotterweg gefahren, der woanders nicht mal als Feldweg durchgehen würde. Immerhin waren wir nicht die einzigen auf der Straße und unsere allradgetriebenen Fahrzeuge haben sich bewährt. Der Dettifoss-Wasserfall ist aber in jeder Hinsicht spektakulär und jeden Stein auf der Schotterstraße wert!

Der Dettifoss Wasserfall
Nach ca. 200km sind wir am Mývatn-See angekommen. Hier gibt es jede Menge Schwefel, teilweise in kleinen Parks mit mehreren schlickgefüllten Kavernen und Türmchen, teilweise in der Luft. Am Myvatn hatten wir ein Hotel.
Unmittelbar in Seenähe ist der Nationalpark Dimmuborgir, ein Lavafeld und Überreste eines Lavasees. Die bizarr geformten Steinformationen des Lavafelds erinnern an verfallene Ruinen von Burgen und Türmen. In der isländischen Mythologie wird Dimmuborgir als Unterkunftsort von Elfen und Trollen gesehen.
Ein Eichhorn-Troll in Dimmuborgir
Direkt nach der anstrengenden Wanderung waren wir im Vogafjós Farm Resort essen. Ein umgebuater Kuhstall, von dessen Gastraum aus man in den Stall blicken kann, lädt als untypisches Restaurant ein.

Essen im Kuhstall
Danach waren wir in der Lagune am Myvatn baden. Das Wasser ist sehr warm, an manchen Stellen so heiß, dass man es kaum aushält. Um den Kreislauf stabil zu halten, muss man sich immer wieder aus dem warmen Wasser in die ca. 6°C "warme" Luft erheben.

Baden in der Lagune Myvatn Nature Bath
Vom Myvatn aus sind wir weiter nach Westen gefahren und haben zunächst den Goðafoss passiert. Der "Götterwasserfall" hat seinen Namen natürlich aus einer besonderen Geschichte, die letzten heidnischen Gottesbilder sollen um 1000 n.C. in diesen Wasserfall geworfen worden sein. Es ist jedenfalls ein besonders schöner und beeindruckender Wasserfall:

Der Goðafoss
Vom Godafoss sind wir nach Akureyri gefahren. Mit ca. 19.000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Islands. Akureyri ist eine Hafenstadt. Der Hafen ist so groß, dass auch Kreuzfahrtschiffe anlegen. Die Stadt selbst ist lebhaft und sympathisch. Außerdem scheint hier das Mekka der Hot Dogs zu sein. Überall finden sich Hot Dog-Stände, die in verschiedensten Variationen präsentiert werden und von uns gekostet wurden.
Später an diesem Tag kamen wir in Steinstaðabyggð an, wo die Herzlichkeit der Isländer auf besondere Weise Ausdruck findet:
Steinstaðabyggð
Hier ist auch unser Übernachtungsgelegenheit, nämlich Bakkaflöt, das Highlight für das Geburtstagskind, da hier das Reitevent wartete. Währenddessen sind die Nichtreiter nach Soudakrokur einkaufen gefahren.
Auf dem weg dorthin haben wir noch echte Hobbit-Häuser entdeckt:

Hier könnten Hobbits wohnen
Abends hat Grillmeister Thomas all' sein Können gezeigt und köstlich für alle gegrillt.
Die Reise neigt sich dem Ende zu, wir sind heute relativ weit zur Snæfellsnes gefahren. Hier haben unsere Reiseleiter ein spektakulär schönes Häuschen zwischen dem Snæfellsjökull und dem Meer angemietet, Laugabrekka bei Hellnar.
Hier auf der Snæfellsnes haben wir uns 2 Tage aufgehalten, weil es hier besonders schön ist und viel zu sehen gibt.
Auf Marcos ausdrücklichen Wunsch als Games of Thrones-Fan sind wir zum Kirkjufell gefahren, wo der weiße Wanderer in einer Folge herumgeritten ist. Es gelingt auch dem unbedarften Photographen, das Coverbild mit den Wasserfällen einigermaßen ähnlich nachzustellen.

Der Kirkjufell, bekannt aus Game of thrones
Zurück ging es über den Pass, auch das war im Hinblick auf die Straßen und die Aussicht ein Erlebnis.

Der Pass über den Sandkúlur
Oh wie schön ist Island :-)

Mehr Pass über den Sandkúlur
Wir haben dann noch diese Schwarze Kirche (Búðakirka) in Búðir besucht, von denen es nicht so viele gibt.

Búðakirka

Erläuterung zur Búðakirka
Beeindruckt von soviel Kirche haben wir uns noch auf die suche nach Trollkirka begeben, wobei wir feststellen mussten, dass es sich dabei wohl eher um ein Gebiet als eine echte Trollkirche handelt :-) .
Und überall auf der Snæfellsnes stößt man auf Barður Snæfellsas, über den es zahllose schaurig-heroische Geschichten gibt. Halb Mensch, halb Troll war er fast wie ein griechischer Halbgott der Antike:
Abends sind wir dann weiter Richtung Kevlavik gefahren, wo wir nochmal in einem Hotel übernachtet haben.
Irgendwann ist jeder Urlaub zuende und wir mussten die Rückreise antreten. Im Morgengrauen sind wir aufgestanden, da wir die Autos noch zurückgeben mussten. Dann ab zum Flughafen, kurz übersetzen nach Frankfurt und dann totmüde und voller schöner Erinnerungen nach Hause.
Hier die Reise nochmal in der Übersicht: